Web 3.0 bringt Dezentralität und enorme Möglichkeiten für die User

Ein Wort taucht immer öfter auf: dApps. Es handelt sich um dezentrale Apps, den Oberflächen für den Zugang ins neue Web 3.0, das viele Gewohnheiten der User, Geschäftsmodelle und gesellschaftliche Strukturen verändern wird. Wir wollen in einem kleinen Rundumschlag die größten Potentiale und Unterschiede zum Web 1.0 und 2.0 skizzieren.

Das Web 1.0 ist heute gefühlt schon Jahrzehnte entfernt. Und in Erinnerung ist geblieben, dass es langsam, teuer und aufwändig war. Technische Hürden waren zu überwinden, etwa für die Entwicklung von (den statischen) Websites. An Streaming von Musik oder Videos oder die Organisation in sozialen Netzwerken war nicht zu denken.

Symbolisch für das erste Web steht das ratternde und zögerliche 56K-Modem an der Telefonbuchse. Nichtsdestotrotz war es im Vergleich zu den traditionellen Medien wie Zeitungen doch revolutionär und legte sehr viel Macht in die Hände des Einzelnen, weg von Politik, Konzernen und Verlagen. Mit dem Web 2.0 kamen große Fortschritte: Blogs, Social Media und Messenger ermöglichten auch technikaversen Usern die Publikation eigener Inhalte und soziale Interaktion in Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Die Allmacht der klassischen Verlage und Konzerne schwand deutlich zugunsten des Individuums.

Netzwerkeffekte und Machtkonzentration kosten User die Handlungsfreiheit

Aber mit zunehmender Lebensdauer übernahmen die neuen Tech-Konzerne die Macht: Google, Facebook, Amazon, Netflix werden in dieser Zeit zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Ihr Einfluss beruht auf ihrem Plattform-Charakter und dem daraus resultierenden Netzwerkeffekt, der zur Monopolbildung führt.

Die größten Plattformen wie Facebook, Whatsapp, AirBnB oder Uber ziehen aufgrund der bereits vorhanden Nutzerbasis immer mehr neue Nutzer an, kleinere Wettbewerber haben so gut wie keine Chance. Alle Geschäftsmodelle basieren auf einem kostenlosen Service für die Nutzer, den sie allerdings mit der Bereitschaft zur Nutzung und Weitergabe ihrer Daten zahlen müssen. Viele Nutzer bemerken es nicht oder verdrängen es, aber ihre Identität, Surfgewohnheiten, Suchanfragen und Online-Shopping-Informationen werden permanent an den Höchstbietenden verkauft.

Druck auf Tech-Riesen wächst

Spannend bleibt, wie sich die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf das Europageschäft der Techkonzerne auswirkt und ob die Verordnung auch Vorbild für andere Geschäftsräume haben wird, etwa in Asien oder sogar in den USA. Mitte 2018 steht gerade Facebook in seinem Kerngeschäft jedenfalls unter enormem Druck: Datenskandale, drohende Regulierungsmaßnahmen aufgrund der monopolartigen Stelllung, rückläufige

Nutzerzahlen und Schwierigkeiten aufgrund der DSGVO haben zu einem massiven Einbruch des Aktienkurses geführt. Diese Entwicklungen kratzen an Image, Vertrauen der Investoren und dem Nimbus der Unbesiegbarkeit der Plattform. Wird die Krise von Facebook zum Symbol für das Ende des Web 2.0?

Web 3.0

Viele Nutzer, gerade technik- und datenaffine First Mover, sind dieser Prozesse und Mechaniken überdrüssig. Sie träumen von einem neuen Web, das gewissermaßen die Vision des People Empowerment aus dem Web 1.0 wieder aufnimmt: mehr Privatsphäre, Eigenvermarktung der Daten und mehr Dezentralität und Transparenz. Auch wenn diese Ideen schon älter sind, erst jetzt steht die entsprechende Technologie zur Umsetzung bereit. Das dezentralisierte Web 3.0 bietet große Vorteile, die hier skizziert werden sollen.

Dezentralisierung der Macht

Durch Distributed Ledger Technologien wie Blockchain und mögliche Nachfolgertechnologien wird Vertrauen dezentral zwischen Nutzern aufgebaut, ohne dass traditionelle MIttelsmänner nötig sind. Über Smart Contracts, die momentan vor allem über Ethereum dargestellt werden, lassen sich auch komplexe Geschäftsprozesse dezentral und sicher abbilden. Auch Daten werden dezentral gehostet. Das stellt massiv den Einfluss von Unternehmen wie Google und Apple in Frage, da sie tendenziell die Kontrolle über die Daten der Nutzer verlieren.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Tech-Riesen auch einen Teil ihres Geschäftsmodells umstellen müssen, das bis dato auf der Konsolidierung und dem Verkauf der Daten an Dritte beruht.

Schutz vor staatlichen Eingriffen

Auch die Fähigkeit von staatlichen Organen, einzelne Websites oder Services abzuschalten, könnte deutlich vermindert werden, zumindestens in den liberalen westlichen Ländern. Momentan können Unternehmen gezwungen werden, Daten an Staaten beziehungsweise an deren Geheimdienste auszuhändigen. Beispielsweise wurde die Kryptobörse Coinbase von der US-Behörde Internal Revenue Service (IRS) gezwungen, Daten von über 15.000 Nutzern freizugeben.

Unbeschränkter Zugang zu Blockchains

Den meisten Usern wird es auf YouTube schon mal begegnet sein: Geoblocking verhindert das Laden gewisser Inhalte aufgrund des lokalen Standorts. Diese Reglementierungen könnten im Web 3.0 der Vergangenheit angehören. In einer öffentlichen Blockchain sollten Nutzer unabhängig von Geschlecht, Einkommen, geografischen Standort oder sonstigen sozio-ökonomischen Parametern Zugriff erhalten können.

Das bedeutet auch einen freien Fluss und Zugriff auf Informationen und Waren, auch von digitalem Geld, sei es in Form von digitalisierten klassischen Währungen oder momentan wahrscheinlicher - als Kryptowährung. Hier setzt Bitcoin trotz vieler Wettbewerber (sogenannte Altcoins) immer noch den Standard bezüglich Verfügbarkeit, Sicherheit und Verbreitungsgrad.

Wer sind die neuen Killer-Apps?

Schon heute stehen dApps in den Startlöcher oder in der ersten Kurve, die alte Dienste ersetzen können oder das bereits tun. Das betrifft momentan hauptsächlich die Bereiche Browser, Storage, Betriebssystem, dezentrale Rechenkapazität, Social Networks, Messaging, Video Calls, Gaming und Remote Working. Zu den bekannteren dApps zählen Steemit (Social Network), Siacoin (Storage) oder Golem (Rechenkapazität). Brave könnte viele Browser ersetzen, Status die bekannten Messenger, Essentia.one Betriebssysteme wie iOS.

Der Wandel wird wie beim Auftreten neuer Technologien üblich, schrittweise vonstatten gehen, während vorhandene Tools und Apps weiter genutzt werden. Vieles wird sich im Hintergrund abspielen, die Nutzeroberflächen und Interfaces orientieren sich am Web 2.0 und machen den Übergang einfach.

Die genannten Vorteile und das wachsende Bewusstsein über die Schwächen und Fehlentwicklungen des bestehenden Webs lassen nur einen Schluss zu: wir befinden uns mitten in einer Transformationsphase auf dem Weg zum Web 3.0. So betrachtet findet parallel zur digitalen Transformation der analogen Welt eine zweite Revolution im Web selbst statt, die auch hier keinen Stein auf dem anderen lässt.

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